Alte Kurtscheider Hausnamen

Neu zusammengestellt von Günter Wittlich auf der Grundlage der „Chronik der Pfarrgemeinde Kurtscheid“
von Pfr. Joh. Boden (1949) und N. Menzenbach „CDU-Information“ 1991


Denken wir an das „Buddenbrook-Haus“ in Lübeck oder an das „Gutenberg-Haus“ in Mainz. Sicher gibt es in Kurtscheid kaum vergleichbar bedeutende Namen, aber auch die alten „Kurtscheider Hausnamen“ – leider oft schon in Vergessenheit geraten – erzählen Interessantes aus der Geschichte unserer Dorfbewohner.

Manche Namen können von Vornamen abgeleitet werden; dies ist z. B. bei „Wöllems“, „Jorres“ oder „Mechels“ der Fall. Vom Ortsnamen der Herkunft wurden „Windesheime“ oder „Honnefeller“ abgeleitet oder der Familienname eines Urahns wurde als Hausname übernommen. Die Hausnamen wurden im Ort von Generation zu Generation „vererbt“ und blieben bis zum heutigen Tag mit dem Haus verbunden, auch dann, wenn das Haus heute längst durch Kauf oder Erbe in den Besitz einer anderen Familie gekommen ist.

Ähnlich war es übrigens auch beim o.g. Johannes Gutenberg (s.o.). Seine Eltern – Fam. Gensfleisch – lebte im Haus „Zur Laden“, dann im Hof „Zum Gutenberg“. Dementsprechend nannte sich der Erfinder des Buchdrucks „Johannes Gensfleisch zur Laden, genannt zum Gutenberg“.

Die Idee, die Namen auf eine Schiefertafel zu schreiben und diese an der Hauswand sichtbar zu befestigen, brachte Rita Wagner von einem Besuch beim Schwager Bruno Wagner in Beulich / Hunsrück mit. Dort fand die Idee große Zustimmung bei der Bevölkerung. Die Schiefertafeln wurden von Thomas Wittlich kostenlos zur Verfügung gestellt; die Umsetzung der Idee wurde mir anvertraut. Diese kleine Zusammenstellung und die Schiefertafeln sollen helfen, dem Dorf „ein Stück seiner Seele zu erhalten“

Alte Kurtscheider Hausnamen
Alte Kurtscheider Hausnahmen erzählen Geschichte(n)

Die Namensliste

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Karte von Kurtscheid
Name, Adresse Geschichte
Jorres, Dorfstraße 20 Der Ururgroßvater von Roswitha Wittlich ,geb. Pompejus (Im Tiergarten 23) hieß Georg Wittlich
Bodenshannese, Dorfstraße 24 Heute Aloisia und Helga Wittlich; früher Fam. Arnold Boden. Vater und Großvater von Arnold Boden hießen Johann.
Kowese, Im Tiergarten 1 Ungefähr an der Stelle des jetzigen Wohnhauses der Fam. Gerd Crames stand bis 1978 der Fam. Wilh. Siebenmorgen, dessen Urgroßvater Jakob Wittlich hieß.
Kaspesch, Im Tiergarten 6 Im heutigen Haus von Albert und Lena Geisen wohnte Wilh. Boden VI. Sein Urgroßvater, Kaspar Wittlich, hatte dieses Haus im Tausch gegen sein Haus in der Dorfstraße 5 („Wasems-Haus“) erworben. Den Hausnamen nahm er mit in die Straße „Im Tiergarten“; damals Stockgasse.
Euleweiße, Gartenweg 2 In diesem Haus wohnten die Geschwister Boden. Ihr Vater hatte als Kind sehr weiße Haare. Seine spätere Ehefrau war eine geborene Eul, daher „Euleweiße“
Feschesch, Gartenweg 6 Im ursprünglichen Haus an dieser Stelle wohnte einst Mathias Boden, der mit Lehrer Anton Fischer aus der Rosenstraße (Jonghannese) das Haus tauschte. Der Name Fischer blieb bis heute mit dem Haus im Gartenweg verbunden. Der ehemalige langjährige Ortsbürgermeister Josef Wagner war im Kreis Neuwied eher bekannt als „Feschesch Jupp“
Ale-Jorje, Hochstraße 17 Rechts neben dem Haus mit der Nummer 17 in der heutigen Hochstraße wohnte Georg Reuschenbach. Da er älter war als Georg Reuschenbach von „Steng-Jorje“ nannte man die Familie in der Hochstraße „Ale-Jorje“
Pits,
Hochstraße 18" Hier betrieb Peter Wittlich VI ( de Pit) seine Dampfbäckerei und Konditorei - heute Bäckerei Albert Reuschenbach
Hüh-Jasse, Hochstraße 31 Hier wohnten bis zum Tod die Eheleute Andreas und Gertrud Boden – „Kaspesch-Dres“ Der Hausname „Hüh-Jasse“ geht – so Helene Geisen (Schwester von Andreas Boden) /„Kaspesch Lena“ darauf zurück, dass man im Stammhaus im Tiergarten die Familienangehörigen, die in der Hochstraße (Hüh Gaß) wohnten als „Hüh-Jasse“ bezeichnete.
Honnefeller, Hochstraße 35 Im Haus von Resi Gerhards wohnte früher Michael Becker III, dessen Großvater von der Honnefelder Mühle stammte.
Ludije, Rosenstraße1 Hier wohnte früher Mathias Groß; später Fam. Hans Marquart und Gretchen geb. Groß. Der Urgroßvater von Math. Groß hieß Ludwig Reuschenbach.
Mechels, Rosenstraße 5 Rechts neben dem heutigen Haus Nr. 5 – heute Fam. Andreas Hof wohnte früher Margarete Herrig. Ihr Vater und Großvater hießen Michael
Jonghannese, Rosenstraße 6 Im wohl ältesten Haus Kurtscheids wohnte Johann Heinrich Boden. Er war einer der beiden Jungen des Mathias Boden, die aus der heutigen Gartenstraße in die Rosenstraße umzogen (Haustausch mit Lehrer Fischer). Daher der Name „Jonghannese“ und der damalige Straßenname „Jong-Jaß“.
Lehmpohls, Rosenstraße 15 Michael Becker II hatte das Haus neben einem aus einer Lehmgrube entstandenen kleinen Dorfteich (Pfuhl) gebaut. Später wohnte in diesem Haus sein Enkel „Hardt`s Edde“. Mittlerweile ist das Haus abgerissen.
Jirjerats, Dorfstraße 2 Die Großmutter von Werner Eul (Jirjerats-Werner) dem heutigen Bewohner des Hauses war Eva Boden, geb. Girgenrath.
Wasems, Dorfstraße 5 Im Haus Dorfstraße 5 wohnte Fam. Bernhard Wittlich ( Eltern von Franz-Wilhelm, Heinrich und Albert Wittlich).Der Vater von Bernhard kam aus „Kaspesch-Haus“ (s.u.). hier hatte die Fam. Joh. Peter Wasem gewohnt. Im Volksmund nahm Bernhard Wittlich den Namen mit in sein Haus in der Dorfstraße. Das Haus wurde später abgerissen.
Name, Adresse Geschichte
Miens, Dorfstraße 6 Die Oma von Lydia Frey hieß Irmine
Spezens, Dorfstraße 7 In diesem Haus wohnten Johann Boden und Anna Maria Boden, geb. Reuschenbach. Johann Boden war der Ur-Urgroßvater von Marieluise Böcking und Dorothe Hartmann. Er stammte aus Gasbitze bei Waldbreitbach
Steng-Jorje, Dorfstraße 9 Im ehemaligen Gasthaus „Haus Westerwald“ wohnten Witwe Christine Reuschenbach und Ihr Sohn Georg. Das war der „Steng ihr Gorg“. Das Haus erhielt den Namen „Steng-Jorge“
Koedens, Dorfstraße 11 Hier wohnte die Familie Jakob Reuschenbach ( Koedens Köwes), Vater von Bäckermeister Albert Reuschenbach. Der Ursprung dieses Hausnamens bleibt auch nach umfangreichen Recherchen leider unbekannt.
Franzisse (Sisse), Dorfstraße 13 Hier wohnte Peter Reuschenbach (Sisse Pitte). Sein Großvater hieß Franziskus.
Antons, Dorfstraße 10 Etwas oberhalb des neuen Hauses stand das alte „Antons-Haus“. Der Urgroßvater von Rudolf Kern (Tiergarten) hieß Anton Boden, ebenso hieß der Großvater Anton.
Hansams, Dorfstraße 12 Hier wohnten bis vor wenigen Jahren die Eheleute Josef Eul-Eltern von Hans-Georg Eul. Der Hausname stammt von Joh. Adam Wittlich, der das alte Haus baute.
Lorenze, Dorfstraße 14 Der Ururgroßvater der jetzigen Bewohner – Christa Emmerich, ehemals Alois Becker, hieß Lorenz Reuschenbach.
Hennerechs, Dorfstraße 18 Der Urgroßvater von Klaus Kern (Zimmerei) hieß Heinrich Kern – einer der Söhne von Lehrer Kern
Kelte, Zw. Dorfstraße 17 u. 19 Ungefähr hier stand das Haus von „Kelter“. Der Vorfahre der Fam. Peter Wittlich war Wilhelm Wittlich. Dieser war nach dem „Kelter-Hof“ bei Niederbreitbach verheiratet, kehrt aber später wieder nach Kurtscheid zurück.
Helmese, Neue Straße 1 Hier wohnte bis zu Umzug auf den neuerbauten Birkenhof die Familie Peter und Maria Ewenz. der Urgroßvater von Maria ( Oma von Horst Ewenz ) hieß Wilhelm.
Dor, Neue Straße 3 In unmittelbarer Nähe zum jetzigen Wohnhaus von Torsten Beck war im späten Mittelalter eines von drei Toren des von einer Hecke umgebenen Dorfes ( Rheinweg-Tor)
Windesheime, Neue Straße 20 Hier wohnt heute die Familie Ferdi und Angelika Wittlich. Agnes Wittlich, die Tante von Ferdis Vater Franz war verheiratet mit dem Rentmeister Ley aus Windesheim. Nach dessen Tod kehrte sie ins Elternhaus zurück. Seither gilt der Name „Windesheime“.
Siwemorje, Neue Straße 21 Der Ursprung des Namens „Siebenmorgen“ geht zurück in das Jahr 1590, als N. Eudenbach sieben Morgen Land vom Grafen Konrad v. d. Neuerburg geschenkt bekam. Sein Sohn Hermann nannte sich nach seiner Vermählung nach dem Ort seiner Geburt. Mit der Heirat von Anton Siebenmorgen aus Nassen und Katharina Stüber aus Kurtscheid – Großeltern von Walter und Werner Böcking – kam der Name nach Kurtscheid und wurde hier zum Hausnamen.
Brinks, Hochstraße 10 Der Ururgroßvater von Martina Wittlich war Joh. Brink – Nagelschmied aus Isenburg.
Jolschens, Hochstraße 11 Heute Harald Wittlich. Früher Johann Stüber („Knocheflecker“). Sein Vater stammte von Goldscheid bei Verscheid
Wöllems, Hochstraße 14 Der Urgroßvater vom heutigen Besitzer Hans-Peter Wittlich war Wilhelm Wittlich V.
Kurtscheid ist die höchstgelegene Gemeinde im Kreis Neuwied mit 400 m (NN) und liegt inmitten des 446 qkm großen Naturpark Rhein-Westerwald auf einer für den Niederwesterwald typischen welligen Hochfläche.

Kurtscheid im Naturpark Rhein-Westerwald

Kurtscheid im Naturpark Rhein-Westerwald
Kurtscheid im Naturpark Rhein-Westerwald